Von einem eigenen Kamin träumen viele Hausbesitzer und so fern muss dieser Traum gar nicht bleiben. Grundsätzlich ist es möglich, den Kamin in Eigenregie aufzubauen. Sie benötigen dafür allerdings ein wenig handwerkliches Geschick, passendes Werkzeug und natürlich eine genaue Vorstellung von dem, was Sie erwartet. Gerade wenn es um die Sicherheit geht, gibt es keinen Spielraum.
Wenn Sie Schritt für Schritt vorgehen und die Absprachen mit den Behörden einhalten, lässt sich das Projekt aber gut umsetzen.
Die praktische Lösung mit fertigen Modulen
Ein traditioneller Kamin, der komplett aus einzelnen Kaminbauplatten gemauert wird, ist für Laien kaum machbar. Hier kommt es auf Millimeter bei den Zügen und der Luftzufuhr an. Machen Sie hier einen Fehler, zieht der Rauch später ins Zimmer statt durch das Ofenrohr.
Aus diesem Grund setzen die meisten Heimwerker heute auf Systemlösungen. Ein kompletter Kaminbausatz zum Selbstaufbau macht Ihnen die Arbeit deutlich leichter. Bei solchen Systemen erhalten Sie einen fertigen Heizeinsatz aus Stahl oder Gusseisen, dazu passgenaue Formsteine aus Porenbeton oder Schamotte.
Sie müssen die Teile im Grunde nur noch nach Plan zusammensetzen, verkleben und an den Schornstein anschließen. Das Prinzip ähnelt großen Bausteinen. Sie sparen sich das aufwendige Berechnen der Brennkammer und bekommen trotzdem eine Anlage, die genau in Ihren Raum passt.
Ohne den Schornsteinfeger geht es nicht
Bevor Sie auch nur einen Sack Mörtel anrühren, müssen Sie zum Telefon greifen. Sprechen Sie mit Ihrem zuständigen Bezirksschornsteinfeger, denn er entscheidet am Ende darüber, ob der Kamin überhaupt brennen darf.
Laden Sie den Schornsteinfeger am besten zu sich nach Hause ein, um die Lage vor Ort zu begutachten:
- Passt der Schornstein im Haus zum gewünschten Kamin, oder muss ein neues Rohr eingezogen werden?
- Gibt es genug Frischluft im Raum, oder braucht der Kamin ein eigenes Rohr für Verbrennungsluft von draußen?
- Steht der Kamin nah an brennbaren Holzteilen, Türen oder Möbeln, und wie müssen die Wände geschützt werden?
- Hält die Decke das Gewicht aus, besonders wenn darunter eine Fußbodenheizung liegt?
Erst wenn der Schornsteinfeger grünes Licht gibt, kaufen Sie das Material. Nach dem Aufbau kommt er wieder vorbei, prüft alle Anschlüsse und stellt Ihnen den offiziellen Feuerstättenbescheid aus.
Den Aufbau Schritt für Schritt umsetzen
Liegt das Material bereit, beginnen Sie mit den Vorarbeiten am Boden und an den Wänden. Auf Holzfußböden, Teppich oder Laminat dürfen Sie keinen Kamin stellen. Hier müssen Sie den Belag herausschneiden oder eine durchgehende Glas- oder Metallplatte unterlegen. Die Wand hinter dem Kamin verkleiden Sie mit speziellen Dämmplatten aus Calciumsilikat, damit das Mauerwerk nicht zu heiß wird.
Danach stellen Sie den Sockel auf und richten ihn mit der Wasserwaage exakt aus. Auf diesen Sockel setzen Sie den schweren Kamineinsatz.
Der heikelste Teil ist der Anschluss an das Rauchrohr. Schieben Sie die Rohre fest ineinander und dichten Sie den Übergang zum Schornstein mit feuerfestem Mörtel und Dichtschnüren ab. Hier darf absolut keine Luft entweichen. Steht das Rohr, setzen Sie die Verkleidungselemente rund um den Einsatz Schicht für Schicht zusammen. Die Steine werden meist mit einem speziellen hitzefesten Kleber verbunden.
Zum Schluss können Sie die Oberfläche verputzen, mit Natursteinen bekleben oder ganz schlicht streichen. Achten Sie bei der Farbe unbedingt darauf, dass sie Hitze verträgt und beim ersten Anfeuern nicht stinkt.
Fehlerquellen, die Sie kennen sollten
Beim Selbstbau passieren immer wieder typische Fehler, die im besten Fall ärgerlich sind und im schlimmsten Fall gefährlich werden.
Das größte Risiko sind undichte Rohre, denn wenn giftiges Kohlenmonoxid in den Wohnraum kriecht, merken Sie das selbst gar nicht. Kontrollieren Sie daher alle Verbindungen doppelt, bevor Sie die Verkleidung um das Rohr herum schließen.
Zu den weiteren typischen Problemen gehört der Luftdruck innerhalb des Hauses. Wenn Sie eine Dunstabzugshaube und eine offene Küche haben oder eine Wohnraumlüftung in Betrieb ist, ziehen die Geräte Luft aus dem Haus.
Das kann dazu führen, dass der Kamin den Rauch nicht mehr durch den Schornstein nach draußen drückt, sondern die Abgase sogar ins Wohnzimmer gesaugt werden. In diesem Fall verlangt der Schornsteinfeger meist einen Fensterkontaktschalter der dafür sorgt, dass der Dunstabzug nur dann anspringt, wenn sie mindestens ein Fenster auf Kipp haben.
Fazit: Machbar, aber mit Respekt vor der Technik
Einen Kamin selbst zu errichten, spart eine Menge Geld und macht stolz, wenn das erste Feuer brennt. Mit vorgefertigten Bausätzen ist das Vorhaben für geübte Heimwerker absolut zu schaffen.
Wichtig ist nur, dass Sie sauber arbeiten, sich an die Anleitung halten und den Schornsteinfeger von Anfang an mitnehmen. Wenn Kernbohrungen durch dicke Wände nötig sind oder Sie unsicher bei den Anschlüssen sind, holen Sie sich für diese einzelnen Schritte Unterstützung aus dem Fachhandwerk. Dann steht gemütlichen Abenden vor dem eigenen Kamin nichts mehr im Weg.